Bildhauer-Dynastie Busch

Katholisch musste die Gemeinde schon sein

Von Detlef Sundermann

Das einstige Wohn- und Geschäftshaus der Bildhauer-Dynastie Busch in Steinheim ist nach Jahren saniert worden. In ihren „Werkstätten für kirchliche Kunst und Kunstgewerbe“ hatten die Buschs 150 Jahre lang Gotteshäuser im weiten Umkreis ausgestattet.

Altäre, Kanzeln, biblische Figuren

In der Bad Homburger Marienkirche steht ein prächtiger Altar aus Steinheim, ebenso im Stadtteil Kirdorf in der St. Johanneskirche. Katholisch waren die Gemeinden zumeist, für die in den Werkstätten und dem Atelier mit Holz, Gips und Metall in der Steinheimer Vorstadt 15 gearbeitet wurde, im damaligen Groß-Steinheim, das weltlich betrachtet heute ein Stadtteil von Hanau ist und vom Glauben her immer noch zum Bistum Mainz gehört. „Auch in der Wetterau gibt es viele Kirchen, für die Altäre, Kanzeln oder biblische Figuren angefertigt wurden“, sagt Klara Busch. Uronkel Paul Michel war zudem Pfarrer in Ober-Mörlen, zieht Busch eine weitere Verbindungslinie in die Wetterau. Klara Busch ist die Urenkelin von Georg Busch, des bekanntesten Bildhauers in der Familie. Er zog nach München und eröffnete als Professor ein eigens Atelier, soll aber stets in Kooperation mit der Hanauer Verwandtschaft gearbeitet haben. Georg Busch schuf etwa 1931 die Silberstatue vom Heiligen Bruder Konrad in der Gnadenkapelle Altötting und für den Mainzer Dom das Grabdenkmal von Bischof Haffner.

Die Keimzelle in der Steinheimer Vorstadt 15 der rund 150 Jahre dauernden Bildhauerdynastie, die 1863 von Johann Georg Busch gegründet worden ist, geriet hingegen in Vergessenheit. Das denkmalgeschützte Wohn- und Geschäftshaus war zum Teil baufällig. Im rückwärtigen Werkstatttrakt, wo bis zu 20 Bildhauer, Schreiner, Stuckateure und andere Kunsthandwerker beschäftigt waren, herrscht seit 1999 mit dem Tod von Peter Paul Busch Dornröschenschlaf. Staub und Spinnweben legen seitdem über Engel und Heilige sowie Werkbänke ihr Tuch.

Das Wohn- und Geschäftshaus der Künstlerfamilie Busch. (Fotos: Sundermann)

Nach rund vier Jahren Baustelle hat es die Busch-Stiftung nun geschafft, das Wohn- und Geschäftshaus vollständig zu sanieren. Es zeigt sich bezugsfertig. Erster Nutzer ist die Stiftung selbst, die den künstlerischen Nachlass verwaltet. Sie hat sich schon im ersten Obergeschoss eingerichtet. Der Besucher bekommt dort eine Vorstellung davon, wie einst bei der Künstlerfamilie Busch gewohnt wurde. Klara Busch, Vorstandsmitglied der Stiftung, führt durchs Haus. Auf dem Weg hoch in den Sitzungsraum begegnen einem Reliefs und Bilder zu Altären. In dem Zimmer selbst scheint auch die alte Zeit zurückgekehrt zu sein. Der lange Tisch mit den steif wirkenden Stühlen aus dem vorletzten Jahrhundert drumherum und die aufwendig gearbeiteten Büffetschränke oder etwa die großformatige Deckenlampe, deren einstigen Blattgoldglanz die Zeit geraubt hat, tragen zu dieser Atmosphäre bei.

Die Stiftung benötigt Einnahmen

2014 sah es an dieser Stelle noch anderes aus. Das Haus war nicht nur heruntergelebt. Die Bauuntersuchung zur Sanierung zeichnete ein desaströses Bild vom Zustand. Schwamm in den Außenwänden des beizeiten verputzten Fachwerkhauses und im Bodengebälk, das stellenweise einbruchgefährdet war, zählten zu den größten Schäden, berichtet Architektin Alexandra Vydra. Die Kostenkalkulation in Höhe von 600 000 Euro war damit Makulatur. Unter dem Strich sind es nunmehr 860 000 Euro geworden. Geld, das aus verschiedenen Töpfen kam, beispielsweise von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, aus dem Treuhandvermögen der Steinheimer Altstadtsanierung und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Der Kapitalstock der Busch-Platz-Stiftung ist zu gering, um das Projekt alleine zu stemmen.

Die Wohnung im Dachgeschoss, drei Zimmer auf 90 Quadratmeter, wird daher vermietet. „Die Stiftung benötigt die Einnahmen“, sagt Busch. Wer dort einzieht, muss auch bereit sein, im Haus nach dem Rechten zu sehen und kleine Arbeiten zu erledigen, heißt es. Für das Appartement eine Etage tiefer wird ebenfalls ein Mieter gesucht. „Ein Student oder Künstler , aber ohne ein dauerhaftes Mietverhältnis.“ Die beiden Ladengeschäfte mit den großen Schaufenstern, an denen sich einst Kinder und Erwachsene die Nase platt drückten, um die Käthe Kruse Puppen und Stofftiere zu bewundern, für deren Vertrieb die Buschs eine Konzession von Steif besaßen, soll Galerie und wieder Geschäftsstelle der Landesbildhauer werden, so die Pläne. Einst gingen dort neben Steif-Produkten, eigenes Kunsthandwerk, Devotionalien von Kerzen bis Christusstaturen und zuletzt zusätzlich Schreibwaren über die Ladentheke. Der Kommerz soll jedoch Geschichte bleiben.

Die Verpachtung der Räume an Einzelhändler hält Busch für sinnlos. „Die Steinheimer Vorstadt ist tot“ sagt sie. Aber nicht nur die Ladenleerstände in der Nachbarschaft würden das Vorhaben schwierig machen. Die Nutzer müsste das historische Ladenmobiliar übernehmen. Laut Klara Busch könnten in der Galerie Objekte gezeigt und verkauft werden, die die künftigen Künstler in der Werkstatt herstellen etwa in Workshops für Laien und Profis. Doch das wird nicht so schnell gehen.

Für die Sanierung der Werkstatt und des anschließenden Ateliersaals, der durch hohe Bogenfenster einer abgerissen Kirche mit Tageslicht erhellt wird, gibt es noch kein Starttermin. Es ist auch mehr zu tun als die bauliche Instandsetzung, dem ein „archäologisches Aufräumen“ vorangeht, sagt Architektin Vydra. Der an drei Seiten offene Dachboden soll zu einem Dauerausstellungsraum für Exponate aus der Busch-Dynastie umgebaut werden. Dazu braucht es jedoch noch eine neue Außentreppe. Atelier und Werkstatt werden zudem so Instand gesetzt und modernisiert, dass sie als Räume für Kunstworkshops genutzt werden können. Auf rund 600 000 Euro schätzt Vydra die Kosten – größere Unwägbarkeiten nicht einkalkuliert. Wann angefangen wird, hängt davon ab, wann das Geld kommt, sagt sie. Für Stiftung und Architektin bedeutet das, wieder Anträge auf Förderung zu schreiben.

Ein offenes Kapitel bleibt vorerst die kunstgeschichtliche Aufarbeitung des Busch’schen Schaffens. Während die Werke von Georg Busch (1862-1942) gut dokumentiert sind, trifft das für die anderen bildhauerisch tätig gewesenen Familienmitglieder weniger zu. Ein Werkverzeichnis soll nicht (mehr) existieren. Vermutlich ist auch manches Objekt aus Groß-Steinheim – aus welchen Gründen aus immer – über die Jahrzehnte aus Kirchen entfernt worden.

In welchen Pfarreien Werke aus der Werkstatt der Buschs zu finden sind, steht in diesem Auszug aus dem Opus Busch im PDF-Format Auszug-aus-dem-Opus-Busch.pdf

busch-steinheim.de

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