Bernd Stelter

Das Geheimnis seines Erfolgs

Von Jutta Himmighofen-Strack

Über mehr als drei Jahrzehnte dauerhaft sein Publikum zu begeistern, gelingt nur den wenigsten Künstlern. Bernd Stelter (Foto) gehört dazu. Als Komiker, Buchautor, Schauspieler, Liedermacher und Karnevalist erfindet er sich immer wieder neu. Doch seine eigentliche Leidenschaft gilt dem Schreiben. Sechs Bühnenprogramme und mittlerweile sieben Bücher stammen aus seiner Feder. In Friedberg präsentiert er am 17. August 2018 einen Liederabend mit seinem Kabuff-Orchester. Der Künstler erzählt im Interview mit Landbote-Autorin Jutta Himmighofen-Strack von seiner Arbeit

Sein Leben in Liedern

Landbote: Worauf dürfen sich die Besucher in Friedberg freuen?

Bernd Stelter: Meine insgesamt sechs Kabarettprogramme haben sich immer mit einem bestimmten, gerade aktuellen Lebensabschnitt beschäftigt. In jedem meiner Programme habe ich immer auch Texte vertont und meistens sieben bis acht Lieder. Jetzt ist natürlich so, wenn das Programm zu Ende ist, spielt man die Lieder nie wieder. Das fand ich einfach viel zu schade. Und so ist die Idee zu einem Liederabend entstanden. Also eigentlich mein Leben in Liedern. Das Besondere an diesem Abend ist, dass man sich einerseits totlachen kann; aber genauso regen die Lieder zur Nachdenklichkeit und zur Rührung an. Da dürfen auch gerne mal die Augen feucht werden. Darunter verstehe ich einen schönen Abend, meinem Publikum ein Wechselbad der Gefühle zu bereiten. Rudi Carrel hat mal zu mir gesagt: „Willst du den Leuten einen schönen Abend bereiten, bringe sie zum Lachen“. „Willst Du ihnen einen tollen Abend schenken, bringe sie zum Lachen und zum Weinen“.

Apropos Rudi Carrell. Sie haben viele Jahre mit Ihm zusammengearbeitet in der RTL-Show „7 Tage, sieben Köpfe“. War er ein wichtiger Weggefährte für Sie?

Unbedingt. Er hat mich in der ganzen Zeit nie gelobt. Alle anderen im Team schon „Gabi super Witz, Kalle fantastisch…“ (im Gespräch parodierte Stelter diese Passage, sodass man das Gefühl hatte, Carrell sitzt einem gegenüber). Ich glaube, er hatte von Anfang an den Eindruck „Den halten wir auf dem Teppich“. Wenn das seine Idee für mich war, dann muss ich sagen, das ist ihm gelungen. Ich bin sehr dankbar und manchmal auch ein wenig demütig, dass ich diese 10 Jahre hatte. Trotzdem würde ich heute sagen, dass jetzt meine schönste Zeit ist, weil ich frei entscheiden kann, was ich mache.

Zum Beispiel zum ersten Mal mit einem Liederabend auf Tournee gehen…

Genau. Und nicht alleine, sondern mit dem Kabuff-Orchester. Normalerweise begleitete ich mich musikalisch mit der Gitarre oder am Piano. Die Idee mit Musikern auf die Bühne zu gehen, entstand bei einer Platten-Aufnahme. Hier haben wir gemerkt, dass in meinem Programm so viele Tempowechsel sind, dass man die einzelnen Instrumente nicht nacheinander aufnehmen konnte. Also haben wir eine Session mit sechs Musikern gemacht und ich war so begeistert, dass jetzt immer zwei Musiker aus der Session meine Instrumente übernehmen. Natürlich viel besser als ich. In Friedberg spielt aller Voraussicht nach Tobias Sudhoff, der neue Pianist vom Paul Kuhn Trio und Daniel Goldkuhle als Gitarrist. Jetzt kann ich mich auf die Musik drauflegen. Hätte ich auf meine Frau gehört, hätte ich das schon viel früher gemacht. Sie ist der Meinung, dass ich viel besser singe, wenn ich nicht noch Gitarre dazu spiele.

Woher kommt der Name Kabuff-Orchester?

Ganz einfach. Ein Kammerorchester hat mindestens 10 Musiker, ich spiele mit zwei Musikern. Also was ist kleiner als eine Kammer? Ein Kabuff!

Ihr Liederabend hat den Titel „Wer Lieder singt, braucht keinen Therapeuten“. Was steckt dahinter? Sicher kein Rundumschlag gegen den Berufsstand der Therapeuten, oder?

Nein, sicher nicht. Es geht ja nicht nur darum Lieder zu singen, sondern die Texte dafür zu schreiben. Ich schreibe mir die Lieder, im wahrsten Sinne des Wortes von der Seele. Auch wenn es am Ende in einen heiteren Text mündet, was ich übrigens schwieriger finde, als eine Ballade zu schreiben, verarbeite ich dennoch Situationen, die mich beschäftigen auf diese Art. Es gibt Menschen, die schreiben dafür Tagebuch, ich schreibe meine Texte.

Relevanz und Wärme sind die Zutaten

Sie haben mal gesagt, dass Sie nicht Comedian genannt werden wollen. Warum nicht und wo ordnen Sie sich selbst ein?

Ein Comedian rennt zwei Stunden über die Bühne, hat ein Mikrofon in der Hand, erzählt irgendetwas, Hauptsache es ist lustig. Für mich ist vieles, zum Beispiel die ewige Geschichte über Starbucks Kaffeesorten, irrelevant und wenig spannend. Relevanz und Wärme sind aber die entscheidenden Zutaten für meine Programme. Ich will nicht nichts erzählen.

Aber als Kabarettist würden Sie sich auch nicht beschreiben, oder?

Nein, dafür bin ich nicht tagespolitisch genug. Aber, ich bin jetzt alt genug, um das auszusprechen. Ich will es auch nicht. Was ich heute darüber auf der Bühne sage, ist oft ein paar Tage später schon wieder Makulatur. Ich sehe mich in erster Linie als Komiker, der aber durchaus auch traurige und ernste Dinge anspricht. Und in Friedberg bin ich natürlich auch Liedermacher. Abgesehen davon: Wer 120 kg wiegt wie ich, der muss auch nicht in jede Schublade passen.

Obwohl Sie im Kölner Karneval, wo Sie seit Ende der 88er Jahre nicht mehr wegzudenken sind, durchaus politisch sind.

Das ist richtig. Im Karneval bin ich sicher in erster Linie politisch. Und das muss auch so sein. Ich bin ein bekennender Europäer und weiß offene Grenzen zu schätzen und möchte sie nicht missen. Ich nutze ich meine Auftritte im Karneval auch, um meine Haltung dazu deutlich zu machen. Und natürlich kommt auch hier der Komiker durch, wenn ich diese Autokraten beschreibe: Trump: 70 Jahr, blondes Haar und ne Scheißfrisur.

Der Privatmann Stelter verlebt seit vielen Jahren einen Teil seiner Urlaube auf einem Campingplatz in der Nähe von Middleburg in Holland. Warum?

Ich mache das schon so lange, dass es eine Vielzahl von Gründen gibt. Am Anfang war es einfach ein idealer Urlaubsort für uns als Familie. Die Kinder sind nun groß und gehen eigene Wege. Heute spielen meine Krimis mit Inspecteur Piet von Houvenkamp hier. Ich kenne die Gegend wie meine Westentasche, sie ist praktisch meine zweite Heimat geworden.

Sie recherchieren also in Zeeland und schreiben die Krimis in ihrem Mobile-Home?

Ja, hier habe ich die Ruhe, die ich dazu brauche. Ich bin gerade in den Vorbereitungen für den dritten Fall. Den Titel weiß ich auch schon. Mieses Spiel um schwarze Muscheln. Aber noch gibt es zu viele Fäden, die zukommen müssen. Wer ist der Täter, wer macht sich verdächtig. Erst wenn das Gerüst steht, geht es los mit dem Schreiben.

…also vorläufig keine Zeit für neues Programm für das nächste Jahr?

Doch im nächsten Jahr geht es wieder los. Auch hier steht der Titel schon fest: Die Idee entstand, weil ich so total genervt von den Radiomoderatoren bin, die am Montagmorgen ins Mikro brüllen: „Leute Montag – ein blöder Tag, aber nur noch vier Tage und dann ist wieder Wochenende“. Aber wenn wir die vier Tage vergurken, dann verpasst man ja mehr als die Hälfte der Zeit. Da werde ich einiges dazu zu sagen haben.

Zum Abschluss: Nennen Sie mir doch bitte spontan drei Eigenschaften, mit denen Sie sich charakterisieren würden.

Bodenständig, genießerisch und nachdenklich.

Bernd Stelter tritt mit dem Kabuff-Orchester am Freitag, 17. August 2018, um 20 Uhr im Zirkuszelt auf der Seewiese in
61169 Friedberg auf. Tickets für 32,80 Euro gibt es unter anderem hier www.adticket.de/Bernd-Stelter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.