Bad Nauheim

Ein Festtag für das Ehrenamt

Von Petra Ihm-Fahle

Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren, sollen in Bad Nauheim mit einem jährlichen Ehrenamtstag gewürdigt werden. Einstimmig beschloss dies das Stadtparlament, als es am Donnerstagabend, 26. April 2018, in der Trinkkuranlage tagte.

Kein weiterer Ehrenamtspreis

Der Beschluss, künftig einmal pro Tag einen Ehrenamtstag zu veranstalten, geht auf einen Antrag des Sozialdemokraten Sinan Sert zurück, der im Februar vorgeschlagen hatte, einen jährlichen Ehrenamtspreis auszuloben. Das Ansinnen war in den städtischen Ausschuss für Sport und Kultur verwiesen worden, wo es allerdings mehrheitlich abgelehnt wurde. Es gab Bedenken, da es schwierig sei, abzuwägen, welcher Verein oder welche engagierte Person die Würdigung jeweils verdient hat. Zudem vergibt bereits die Bürgerstiftung „Ein Herz für Bad Nauheim“ jährlich einen Ehrenpreis.

Petra Michel (CDU) hatte stattdessen die Reaktivierung der Ehrenamtsmesse ins Spiel gebracht, und auf dieser Idee basierend trugen SPD und CDU nun einen gemeinsamen neuen Antrag vor.

Vorträge und Feier

„Auch wenn Vorschläge abgelehnt werden, sollte man nicht die Flinte ins Korn werfen, sondern schauen, wie die eigentliche Intension fortgeführt werden kann“, stellte SPD-Mann Sert fest, bevor CDU-Fraktionsvorsitzender Manfred Jordis das neue Ziel beschrieb: „Wir möchten das Ehrenamt in Bad Nauheim würdigen – ein Ehrenamtstag wäre eine sinnvolle Sache.“ Die Verwaltung solle gemeinsam mit den Vereinen ein Konzept für ein solches Ereignis erarbeiten. Inhalt könne beispielsweise sein, eine öffentliche Präsentation der Arbeit und Projekte, interessante Fachvorträge und eine Feier auf die Beine zu stellen.

„Nicht die Buletten wenden“

Markus Philipp (FW/UWG) fand die Idee vernünftig, „wir haben allerdings ein Problem mit der Ausführung“. Er sei schon als Kleinkind Mitglied des TSV Nieder-Mörlen gewesen, der aktuell in der Klemme ist, da er seit einem Jahr Vorstandsmitglieder sucht. Philipp: „Wir müssten eigentlich die Idee des Antrags in eine andere Richtung bringen: Wie bringen wir Leute dazu, sich ehrenamtlich zu engagieren?“ Ehrenamt mache Spaß, sei eine Bereicherung, betonte er und forderte professionelle Helfer, die den Ehrenamtstag ausrichten: „Nicht, dass es wieder die Ehrenamtlichen organisieren.“ SPD-Fraktionsvorsitzender Axel Bertrand stieß ins gleiche Horn: „Es ist endlich mal Zeit, denen zu danken, die sich ehrenamtlich einbringen – und ohne, dass sie die Buletten selber wenden müssen.“ Bürgermeister Klaus Kreß (parteilos) lobte den Antrag: „Es geht um Wertschätzung des Ehrenamtes.“ Die Verwaltung sei gerne bereit, ein Konzept zu erarbeiten und Zahlen zu nennen. Im Herbst könne das Projekt in die Haushaltsberatungen einfließen.

Generell mehr fördern

Wie FDP-Fraktionschef Benjamin Pizarro anmerkte, müssten Ehrenamtliche generell mehr unterstützt werden: Sei es etwa, Räumlichkeiten für Vereine einfacher zu vergeben oder Projekte gezielt zu fördern. Pizarro beantragte erfolgreich eine Ergänzung, wonach bei Aufnahme des Projektes auch abgefragt werden soll, ob die Vereine eine solche Initiative wünschen. Und Bernd Witzel (FW/UWG) thematisierte die Probleme der Ehrenamtlichen aufgrund zunehmender Bürokratie, beispielsweise der neuen EU-Datenschutzrichtlinien, die für Vereine schwer zu durchschauen seien. Sein Fraktionskollege Klaus Englert regte an, ein Seminar dazu anzubieten, worauf Sozialdezernent Peter Krank (parteilos) auf den Sportkreis Wetterau hinwies, der diese Offerte macht. „Auch das Freiwilligenzentrum bietet solche Schulungen an – da werden wir es gerne anregen.“

UWG will grillen

Bevor sich das Parlament einstimmig – bei zwei Enthaltungen – für den CDU/SPD-Antrag aussprach, bot Markus Theis (FW/UWG) mit einem Augenzwinkern an, dass die Freien Wähler den Grill- und Thekendienst an dem Ehrenamtstag übernehmen.

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