Bad Nauheim

Neues Konzept für Stadtbücherei

Von Petra Ihm-Fahle

Die Bad Nauheimer Stadtbücherei lebt von ihrem Flair im Jugendstil-Fachwerkbau aus dem Jahr 1901. Nun soll sich räumlich etwas ändern, um wirtschaftlicher zu werden, möglichst am selben Standort in der Zanderstraße 3. Das entschied das Stadtparlament bei seiner jüngsten Sitzung in der Trinkkuranlage. Der Neue Landbote hat die Einrichtung besucht.

Ein Schreibtisch für drei Mitarbeiter

Vor der Stadtbücherei stehen schon Nutzer, warten auf Einlass zur Nachmittagsöffnung, die um 15 Uhr beginnt. Die Tür geht auf, es duftet nach Kaffee, bald erklingt Zeitungsrascheln aus den gemütlichen Sitzecken. Stadtverordnete, die die Bildungseinrichtung im Rahmen einer Sozialausschusssitzung neulich begingen, seien allerdings entsetzt gewesen, schildert die stellvertretende Büchereileiterin Gaëlle Götz. Das Erschrecken habe sich auf die beengten Verhältnisse in dem einstigen Inhalatorium bezogen, errichtet von Jugendstil-Baumeister Wilhelm Jost: So teilen sich beispielsweise drei Teilzeitkräfte einen Schreibtisch.

Die Stadtbücherei ist im ehemaligen Inhalatorium untergebracht. (Fotos: Petra Ihm-Fahle)

Mit Herzblut dabei

Gaëlle Götz.

Gleichzeitig waren die Politiker von dem Herzblut angetan, mit dem hier professionelle Arbeit geleistet werde, wie SPD-Stadtverordneter Sinan Sert bei der Parlamentssitzung letzte Woche hervorhob. Die Diskussion über ein neues räumliches Konzept hatte im Frühjahr begonnen, als der städtische Haupt- und Finanzausschuss die Bücherei aufforderte, ein neues Nutzungskonzept zu finden. Ziel war es, die Kosten deutlich zu reduzieren, was mit einer Anpassung ans digitale Zeitalter und ans Online-Nutzerverhalten erfolgen sollte. Götz: „Wir haben uns zusammengesetzt, das Team der Stadtbücherei mit Björn Kral und Jochen Mörler von der Stadtverwaltung und geschaut, wo wir Einsparpotenzial haben. Und wir haben gesehen, dass eine Kostenreduzierung nur bei den Medien möglich ist.“ Sprich, bei allem, was man ausleihen kann. Problem wäre dann allerdings, fährt die 47-Jährige fort, eine schwindende Attraktivität und infolgedessen ein Rückgang der Einnahmen.

Attraktivität erhöhen
Gut angenommen wird die „Onleihe“, hier gezeigt von Bibliotheks-Mitarbeiterin Ute Hofmann.

„Darum haben wir überlegt, ein neues Nutzungskonzept zu schaffen, das die Attraktivität erhöht, um mehr Publikum anzuziehen.“ Als neuer Auftrag des Stadtparlamentes ist nun beschlossen worden, die Räumlichkeiten zu verändern und somit eine höhere Wirtschaftlichkeit zu erzielen, wobei auch Synergieeffekte gefunden werden sollen. Die Bücherei soll „Dritter Ort“ neben Wohnung und Arbeitsplatz, sowie Schul- und Ausbildungsstätte werden. „Die Politiker haben bei der Stadtverordnetenversammlung klar geäußert, dass wir in diesem Haus bleiben sollen“, sagt Götz. Das geht auf den Änderungsantrag der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Claudia Kutschker zurück, die dies jedenfalls geprüft haben will. Götz: „Mir wäre es Recht, aber wir hätten auch nichts dagegen, umzuziehen. Es kommt natürlich auf das Angebot an, kein Betonklotz auf der grünen Wiese. Aber ein schönes Haus mit ein paar Quadratmetern mehr wäre nett.“ Das Publikum sei an den Charme der bisherigen Baulichkeit gewöhnt, „da muss es passen“.

Auch für Kinder und Jugendliche gibt es ein Angebot.
Ein Sozialer Raum
Gemütlich, aber beengt.

Hinsichtlich eines verbesserten digitalen Angebotes gebe es noch einige Dinge zu tun, auch wenn die Stadtbücherei mit beispielsweise der „Onleihe“ schon auf einem guten Weg sei. WLAN fehlt etwa noch. „Wir haben 99 Büchereien, die mit uns verbunden sind, und das wird sehr stark genutzt.“ Die Bibliothek dürfe aber nicht nur als Ort der Ausleihe gesehen werden, sie sei ein Treffpunkt, ein sozialer Raum und ist „Haus des Gastes“ für Kurgäste.

„Ein Lese-Café wäre schön“
Die Schmöker-Ecken sind bei den Besuchern beliebt.

Um die Räume am vorhandenen Standort zu erweitern, könne eventuell der Speicher ausgebaut werden, da die Wohnung im ersten Stock vermietet ist. „Aber es müssten auch ein Aufzug und eine zweite Treppe eingebaut werden.“ Weitere Idee wäre ein Anbau. „Wir brauchen mehr Sitzplätze, denn sobald wir aufmachen, sind alle Sessel belegt. Ein Lese-Café wäre schön und mehr Platz für die Mitarbeiter“, konstatiert Götz. Wie sie unterstreicht, dürfte sich der Einsatz lohnen. Denn dass weniger gelesen wird als früher, „ist nicht das, was wir feststellen“. 70 000 Besuche notiert die Einrichtung mittels eines elektronischen Zählers pro Jahr. „Das sind, wenn man die Kurgäste einrechnet, zwei Besuche pro Einwohner im Jahr.“ Laut Qualitätsstandards seien drei Besuche anzustreben, „und das wäre ein Ziel, dahinzukommen“.

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