Auf den Limes! – Teil 3

Wandern auf der GrenzeNissen am Limes

Grenzsicherung und Einwanderung bei den Römern beleuchtete der Neue Landbote im ersten Teil dieser Serie. Im zweiten gab es ein Interview mit dem römischen Grenzsoldaten Lucius Aenaeus Seneca. Und jetzt befragt Landbote-Redakteur Bruno Rieb seinen Kollegen Klaus Nissen, wie er auf die Wahnsinns-Idee kam, einen Wanderführer für den Limes zu schreiben. Der ist nämlich gerade erschienen.

Auf den Limes!

Sag mal, Klaus, jetzt ist das Buch ja fertig.  Hörst du nun damit auf, uns immer wieder Anekdoten von den Römern zu erzählen?

Hab ich das? Ist mir gar nicht aufgefallen.

Ja. Das nervte. Und du wirktest ziemlich abwesend.

Der Limes fordert den ganzen Mann.

Wie ist es eigentlich zu dem Projekt gekommen?

Ich war anno 2013 auf der Buchmesse, weil ich einen Verleger für einen Radwanderführer mit Touren im Hochtaunus suchte. Aber alle haben abgewunken. Radwander-Bücher fürs Mittelgebirge würde keiner kaufen.  Annette Sievers vom Peter Meyer-Verlag hat mein Potenzial gesehen und vorgeschlagen, ich könne doch mal den Limes abwandern und das beschreiben. So ein Führer wäre für Wanderer und Familien interessant. Also bin ich los, wann immer ich Zeit dafür fand.

Monatelang warst du immer wieder verschwunden. Wir konnten dich nicht erreichen.

klausbruno
Klaus Nissen (rechts) und Bruno Rieb im Gespräch. (Foto: Corinna Willführ)

Im Westerwald und Hintertaunus gibt es fast überall Handy-Empfang, aber ich hab das Ding ausgeschaltet. Auf dem Limesweg braucht man das nicht. Es gibt da viel zu sehen.

Was denn?

Du läufst durch Hohlwege, in denen die Römer vor 1800 Jahren die Baumstämme angeschleppt haben, mit denen sie eine Palisade bauten.  Dann gibt es jede Menge dreistöckiger Türme zu besteigen, mit toller Aussicht.

Wie? Die sind immer noch nicht kaputt?

Auf den 550 Kilometern zwischen Rheinbrohl und Regensburg standen um die 900 Wachtürme.  Von vielen siehst du noch die Fundamente. Und etliche wurden wieder aufgebaut – genauso, wie sie mal waren.

Ist der Limesweg denn komfortabel?

Meistens ja. Im zweiten Durchgang hab ich ihn sogar mit dem Rad abgefahren, obwohl ich da öfter auch schieben musste. Oft läufst du direkt auf dem Grenzwall, an manchen Stellen ist er noch zwei Meter hoch. Klasse!

Im Buch beschreibst du ja 22 Tagesetappen, mit Anreise per Bus und Bahn, mit Einkehr und Übernachtung. Gibt es sowas überhaupt in der Pampa zwischen Bad Ems und Idstein?

Ich bitte dich! Natürlich fahren da Busse. Man muss vorher nur genau die Abfahrtszeiten checken. Du kannst in einem Tag von Frankfurt nach Bad Ems fahren, bis Pohl wandern und dann zurück nach Frankfurt.

Und warum sollte ich das tun?

Limessoldat auf Wache. Foto Augustini
So ein römischer Grenzsoldat ist auch heutzutage gelegentlich am Limes zu bewundern. Hier im Kastell Zugmantel bei Idstein. Foto: Zugmantel-Kohorte

Weil es da toll ist! In Pohl steht das einzige wieder aufgebaute Kleinkastell am ganzen Limes! Mindestens so interessant wie die Saalburg. Das Kastell Holzhausen hat immer noch bis zu drei Meter hohe Wände. In Holzhausen selber gibt es ein Museum über den Erfinder des Ottomotors, der da geboren ist. Und wenn du schon mal da bist, solltest du in Hunzel übernachten. Die haben da eine Wandererherberge mit kompletter Einrichtung aus den vierziger und fünfziger Jahren!

Und sonst?

Na ja, es gibt noch viele tolle Sachen auf dem Limesweg. In der Wetterau Arnsburg mit der Kirche ohne Dach und der magische Heilige Stein aus dem Megalithikum. Du kannst im Kloster Engelthal übernachten und später am Main den einen oder anderen örtlichen Rotwein testen. Dann noch ins Aschaffenburger Pompejanum…..

– Schluss jetzt mit der Schwärmerei! Manchmal hast du doch auch geflucht.

Limes
Die Römer hielten ihre Grenze übersichtlich. Heute ist sie meist bewaldet. Wälle und die Fundamente der Wachtürme sind oft noch vorhanden. Foto: Nissen nach einer Zeichnung von Heike Wolf v. Goddenthow

Stimmt. Manchmal hab ich mich verlaufen. Aber jetzt, mit meinem Wanderführer, kommt keiner mehr so leicht vom Wege ab.  Ich fluchte auch, als ich das alles aufschreiben musste, die ganzen Telefonnummern der Restaurants und die Buslinien und die Kontaktadressen der Sehenswürdigkeiten. Viele Tage am Schreibtisch. Und meine Lektorin Christina Wendeln fragte bei jeder kleinen Unstimmigkeit unerbittlich nach. Jedes römische Zitat musste ich belegen. Die Recherchen über das Waldglas, die Ernährungsgewohnheiten der Römer, über die Kelten und Germanen und die  Wälder zur Römerzeit waren dann wieder interessant.

Gut, gut. Und was jetzt?

Mal sehn. Wenn viele Leute mein Limes-Buch kaufen, schreibe ich die Fortsetzung von Miltenberg bis zur Donau. Werde reich und berühmt. Und Hollywood fragt an, ob es meine Wanderbücher verfilmen darf.

Da darf ich dreimal trocken lachen.  Wo kann man das Buch überhaupt kaufen?

In jeder Buchhandlung. Limeswandern von Rheinbrohl bis Miltenberg, 22 Erlebnistouren am römischen Grenzwall. Das Buch hat 220 Seiten, ist total handlich und kostet 18.95 Euro. Wer es hier bei mir bestellt, kriegt sogar eine Widmung dazu. Mehr über das Buch erfährt man auf der Webseite des Peter Meyer-Verlags.

2 Gedanken zu „Auf den Limes! – Teil 3“

  1. Meine Kinder sind ganz närrisch auf alles Römische gewesen. Als sie noch im Kindergartenalter waren, fuhren wir an einem sehr heißen Sommertag an einer Streuobstwiese vorbei . Der kleine Veit rief: “ Mama, halt an ,ich habe zwei Römer gesehen !“ Eigentlich lag er mir den ganzen Tag mit seinen römischen Geschichten in den Ohren. Wenn wir aus der Haustür traten so konnten wir auf dem angrenzenden Acker einen röm. Gutshof erahnen, der vor 2000 Jahren dort bestand. Täglich kamen die Kinder mit Dachziegeln, Tonscherben oder Münzen nach Haus, die dann in Omas gutem Kaffeegeschirr gehortet wurden. So nahmen wir den Ausruf : “ Da sind Römer nicht ernst. “ Er war schwer beleidigt. Am nächsten Tag lasen wir dann in unserer Tageszeitung, dass zwei Männer in römischer Tracht und Schuhen auf dem Weg über die Alpen nach Rom seien. Sie hatten hier Station gemacht . Es tut mir heute noch leid, dass ich so ein ungläubiger Pharisäer war.

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