Anne Frank

Ausstellung im Butzbacher Museum

von Ursula Wöll

„Deine Anne – Ein Mädchen schreibt Geschichte“ heißt die Ausstellung, die bis zum 6. Juni im Museum Butzbach zu sehen ist. Ganz bewusst wurde sie am 8. Mai eröffnet, dem Tag des Kriegsendes 1945, den Anne Frank allerdings nicht mehr erlebte. Ihrem Tagebuch vertraute sie all ihre Sehnsüchte, Hoffnungen und Bedrängnisse an. So können wir uns mit dem heranwachsenden „Backfisch“ identifizieren und das durch die Nazis erzeugte Leid nachempfinden. Warum musste ein so wundervolles Mädchen sterben? Die Lektüre ihres Tagebuchs macht dem Begriffsstutzigsten klar, wie wahnhaft Hass und Ausgrenzung der Nazis waren. Doch es ist geschehen, und deshalb kann es wieder geschehen. Daher ist das historische Erinnern so wichtig.

Die Franks, eine Frankfurter Familie

Gedenktafel am Geburtshaus in Frankfurt/Main. (Foto: Dontworry/Wikipedia)

Durch zusätzliche Infos über die Nazizeit wird die Ausstellung zu einem Geschichtsbuch, das man nie wieder vergisst. Das Butzbacher Museum hat Jugendliche geschult, damit sie als Peer-Guides die erwarteten Schulklassen betreuen und auf Fragen zu den vielen Fotos und übersichtlichen Texten antworten können. Die jugendlichen BesucherInnen erfahren, dass Anne zu ihrem 13. Geburtstag im Juni 1942 ein Tagebuch geschenkt bekam. Da lebte die Familie bereits in Amsterdam. Anne wurde in Frankfurt geboren, wie auch ihre drei Jahre ältere Schwester Margot. Als die Verfolgung der Juden nach dem 30. Januar 1933 immer mehr zunahm, flüchtete die Familie Ende 1933 nach Amsterdam. Anne gewöhnte sich schnell ein. Sie besuchte eine Montessori-Schule, in ihr Tagebuch, das sie ‚Kitty‘ taufte, schrieb sie auf Niederländisch. Als die Hitlersche Wehrmacht am 10. Mai 1940 die Niederlande besetzte, wurde das Leben auch hier schwierig. Jüdischen Kindern wurde der gemeinsame Schulbesuch und vieles mehr verboten. Selbst sie mussten den gelben Stern tragen.

Das Leben im Versteck

Als dann Margot zu Zwangsarbeit beordert wurde, versteckte sich die Familie Frank in einem Hinterhaus. Hier lebte sie zwei Jahre auf engstem Raum, zusammen mit der Familie van Pels und dem Zahnarzt Fritz Pfeffer, der in Giessen aufwuchs. Mit ihm musste Anne ihr winziges Zimmer teilen. Versorgt wurden die Untergetauchten durch einige Niederländer, die ein so großes Risiko eingingen, weil sie ihre Humanität bewahren wollten. Die fröhliche Springinsfeld Anne musste jetzt „mucksmäuschenstill“ sein. „Es beklemmt mich doch mehr, als ich sagen kann, dass wir niemals hinausdürfen, und ich habe große Angst, dass wir entdeckt und dann erschossen werden“, notiert sie am 28. September 1942.  Und am 29. Oktober 1943: „Nach draußen, Luft und Lachen! so schreit es in mir.“  Im August 1944 wird das Versteck verraten, von den acht deportierten Menschen überlebt nur der Vater Otto Frank.

Ein Mädchen schreibt Geschichte
Anne Frank.

Das Tagebuch der Anne Frank wurde erst durch seine Verfilmung richtig bekannt, dann millionenfach gedruckt und in 80 Sprachen übersetzt. Noch heute werden allein in Deutschland 60000 Exemplare jährlich verkauft. Das Butzbacher Projekt wird vom Bundesprogramm ‚Demokratie leben‘ gesponsert. Die letzten Tafeln der vom Anne-Frank-Zentrum Berlin kuratierten Ausstellung wenden sich direkt mit Fragen an die BesucherInnen: „Wer bin ich?“ „Wen schließe ich aus?“ „Was kann ich bewirken, um die Welt ein wenig besser zu machen?“

Der Besuch von Ausstellung und allen Begleitveranstaltungen kostet keinen Eintritt.

Hier nur drei Angebote aus dem umfangreichen Programm:

Das Kino ‚Capitol‘ zeigt den Anne-Frank-Film auf Wunsch zu jedem vereinbarten Termin, und zwar ab 30 Personen.

Vortrag über den Laubacher Inspektor Friedrich Kellner, der heimlich von 1939 – 45 Tagebuch schrieb, am 16. Mai um 19 Uhr im Museum

Der Museumsleiter Dr. Dieter Wolf bietet am 28. Mai um 16 Uhr einen Rundgang zu den Stolpersteinen in Butzbach an. 

Mehr Informationen, auch zu den übrigen Veranstaltungen, beim Museum der Stadt Butzbach, Färbgasse 16, Tel. 06033-995-250

Ein Gedanke zu „Anne Frank“

  1. Das Tagebuch der Anne Frank : Ist es nicht schon Pflichtlektüre in den Schulen ? Das sollte aber so sein! Damit auch junge Menschen eine Ahnung und Vorstellung davon bekommen , was Vertreibung und Verfolgung ganz klonkret ist. Gut geschriebener Artikel!

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