Ahnenforschung

Auf der Suche nach den eigenen Wurzeln

von Corinna Willführahnenforschung1

Andreas Bellersen lehrt, wie man seine Vorfahren aufspüren kann. Ab September gibt er Kurse zur Ahnenforschung in Usingen und Bad Homburg.

Über vier Jahrzehnte Familienforschung

Seit 43 Jahren beschäftigt sich Andreas Bellersen mit Familienforschung. Was als Hobby begann, ist für den 59jährigen Wehrheimer zur Berufung geworden. Ab September leitet der Geschäftsführer der „Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte – Institut für Genealogie“ in Frankfurt-Höchst mehrere Kurse der Volkshochschule Hochtaunus „Ahnen- und Familiengeschichtsforschung für Einsteiger“. Erneut in Bad Homburg – und zum ersten Mal in Usingen.

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Wie kompliziert das Erstellen einer Ahnentafel ist, zeigt Andreas Bellersen. (Fotos: Willführ)

Andreas Bellersen war zwölf Jahre alt, als ihm sein Vater erzählte, „dass die Bellersens wohl Nachfahren von Raubrittern waren.“ Für einen Bub seiner Zeit, Ende der 1960er Jahre als es weder Video-Spiele noch Harry-Potter-Verfilmungen gab, eine Vorstellung, die die Phantasie des Jugendlichen beflügelte. Bilder von Männern, die mit Schwert und Schild in den Kampf gezogen waren – sie hätten schnell vergessen werden können, wären da nicht die „Ruinen“ im „Bellerschen Feld“ seines Heimatortes Lindhorst gewesen. Andreas Bellersen: „Auch wenn es nur Mauerreste waren, meine Neugier, mehr über meine Vorfahren wissen zu wollen, war geweckt.“ Eine Neugierde, die zehn Jahre später durch einen Zufall die Begeisterung eines Jugendlichen zu der Berufung eines Erwachsenen werden ließ. Als Andreas Bellersen, nun bereits Student, mit einem Freund, der über die Geschichte des dänischen Königshauses forschte, die Universitätsbibliothek in Kiel besuchte, stieß er auf ein Dokument, das seinen Lebenslauf veränderte.

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Dagegen sieht ein Stammbaum doch relativ einfach aus.

Der 59jährige holt einen Ordner hervor. Nach einigen vor Licht und Luft geschützten Dokumenten in Folie deutet er auf eine Kopie des „Westfälischen Urkundenbuchs“. Er durchblättert ihn, hält kurz inne und sagt: „Das muss wohl Fügung gewesen sein, dass ich dort den Namen meiner Familie entdeckte.“ Seitdem weiß der Vater von fünf Kindern, dass die Geschichte seiner Vorfahren bis ins Jahr 1225 zurück reicht.

Warum aber sollte sich jemand, der nicht Bellersen heiß, nicht von Raubrittern abstammt und nicht im „Westfälischen Urkundenbuch“ erwähnt wurde, für seine Familiengeschichte interessieren? „Die Gründe, warum sich Menschen mit Familienforschung beschäftigen, sind vielfältig“. Da gibt es die Enkelin, die versucht die Geschichte ihres Großvaters, der im Zweiten Weltkrieg als Soldat verschollen ist, zu erkunden. Den Mann aus Kalifornien, der nach seinen Vorfahren sucht, die im 19. Jahrhundert aus dem Taunus ausgewandert sind. Oder auch Kinder, die ihren Eltern zur Goldenen Hochzeit mit einem Stammbaum demonstrieren möchten, wie wichtig ihnen Herkunft und Familie sind.

Ahnenforschung ist keine Frage des Alters

Dass die Neugier, die eigenen Wurzeln zu erkunden, keine Frage des Alters ist, stellt der Geschäftsführer der Genealogischen Zentralstelle und langjährige Leiter der Forschungsstelle für Familiengeschichte der Mormonen in Friedrichsdorf nicht nur bei den Menschen fest, die das Institut im Bolongaro-Palast besuchen. „Die Teilnehmer in meinem Kurs in Bad Homburg im vergangenen Jahr waren von Anfang 30 bis Mitte 70.“ Was aber braucht es, um einen Stammbaum oder eine Ahnentafel zu erstellen? „Auf jeden Fall Geduld und Beharrlichkeit“, sagt der Diplom-Betriebswirt. „Und Grundkenntnisse in Sütterlin- und Kurrentschrift, um historische Dokumente lesen zu können.“

Auch lateinische Begriffe in Kirchenbüchern zu verstehen, lernen die Teilnehmer seiner Seminare. Vorab beantwortet der Experte grundlegende Fragen: Wie beginne ich mit meiner Ahnenforschung? Wo finde ich Hinweise? Welche Quellen gibt es und wie kann ich diese kostenfrei nutzen? „Zum Abschluss“, sagt der 59jährige, „sprechen wir über Internetfallen und unnütze Ahnenforscher-Programme.“ Aus gutem Grund: Finden Interessierte doch im Netz unzählige, meist aber nur auf den ersten Blick kostenfreie Hilfsangebote zur Familienforschung. „Wer eine Leistung im World Wide Web in Anspruch nimmt (und das ist auch die Recherche nach den Vorfahren), kann nicht davon ausgehen, dass diese kostenlos ist. Vorsicht ist immer geboten.“

Die Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte, die über ein Archiv mit mehr als 350.000 Karteikarten, 12.000 Büchern, nahezu 8000 Akten, 500 Original-Leichenpredigten und 900 Zeitschriftentitel verfügt, erhebt für die Beratung von Privatpersonen keine Gebühren. Da das Institut als Stiftung keine öffentliche Förderung erhält, sind Spenden willkommen. Näheres unter www.genealogische-zentralstelle.de

Die Kurse „Ahnen- und Familiengeschichtsforschung für Einsteiger“ der Volkshochschule Hochtaunus beginnen am Mittwoch, 16. September, 18 Uhr, in der Saalburgschule in Usingen sowie am Freitag, 18. September, 18 Uhr, im Raum 1 der VHS in Bad Homburg.

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