AfD-Jugend

„Junge Alternative“ streitet in Büdingen

Von Klaus Nissen

Deutschlands AfD-Jugend tummelt sich bald in Büdingen. Für den 17. und 18.  Februar 2018 hat sie die Willi-Zinnkann-Halle für einen Bundeskongress gemietet. Ein Landesvorsitzender will dort angeblich den Bundesvorstand stürzen.

AfD-Jugend

Markus Frohnmaier, Bundesvorsitzender der deutschen AfD-Jugend, hielt in Büdingen schon im Juni 2016 eine fremdenfeindliche Rede. Am 17. April 2018 kommt er wieder. Die „Junge Alternative“ hat nach eigenen Angaben rund 1600 Mitglieder zwischen 14 und 36 Jahren. Foto: Nissen

Sie könnte richtig damit angeben: Die „Junge Alternative “ (JA),  Nachwuchsorganisation der AfD, stellt jetzt etwas dar. Immerhin ist ihr hessischer Landesvorsitzender Jan Nolte gerade in den Bundestag und gleich in den Verteidigungsausschuss gewählt worden. Er gelte in Berlin als schönster Abgeordneter, kokettiert der 28-jährige Frankenberger auf seiner Facebookseite. Für einen Bundeskongress der Jungen Alternativen (JA) mietete nun das Bundesvorstandsmitglied Andreas Schumacher die Willi Zinnkann-Halle in Büdingen . Seltsam nur, dass die Tagung mit wohl mehr als hundert Teilnehmern nirgendwo auf den Social-Media-Kanälen der AfD angekündigt wird.

Die Zurückhaltung könnte mit einem brisanten Thema zu tun haben, das nach Informationen des Göttinger Tageblatts am 17. und 18. Februar in Büdingen verhandelt wird – und an dessen Verbreitung die AfD-Jugend kein Interesse haben kann. Es geht demnach um den Ausschluss des niedersächsischen JA-Landesvorsitzenden Lars Steinke aus der Organisation. Ihm werden Kontakte zur  Identitären Bewegung und einer extrem rechten Kameradschaft nachgesagt. Steinke, der laut Tageblatt bei der niedersächsischen AfD angestellt ist, will den Ausschluss rückgängig machen. Aber die Junge Alternative will zumindest offiziell nichts mit der Identitären Bewegung zu tun haben.

Das Büdinger Bündnis für Demokratie und Vielfalt hat schon mehrfach gegen rassitische Sprüche und Taten demonstriert. Das nächste Mal am 17. Februar ab 14 Uhr vor der Willi-Zinnkann-Halle in Büdingen. Foto: Nissen

Lars Steinke ruft nun offenbar zum Sturz des gesamten JA-Bundesvorstands in Büdingen auf. Laut Göttinger Tageblatt schrieb er den niedersächsischen JA-Mitgliedern: „Wir werden diesen ekelhaften Haufen von Opportunisten davonfegen, wir werden unsere Partei, unsere Organisation befreien von diesen Parasiten und sie wieder zu einem Hort der Idealisten machen, ganz gleich, ob libertär, liberal, konservativ oder sozial eingestellt“. Der 24-jährige Göttinger hetzt auf seiner Facebookseite gegen Flüchtlinge, spricht sich für die Todesstrafe aus. Und ein einem Online-Artikel für die Huffington Post posiert er voller Stolz mit einer Armbrust im Anschlag.

David Bendels,  Jahrgang 1985, hatte  im Mai 2017 als CSU-Politiker eine Gastrede beim Büdinger AfD-Treffen gehalten. Jetzt ist er Chefredakteur eines AfD-nahen Wochenblatts. Foto: Nissen

In Büdingen sorgt der Partei-interne Konflikt für einige Sorgen. Man weiß nicht, wie turbulent die Veranstaltung in der Zinnkann-Halle wird. Und wie sich das außerhalb der Halle auswirkt. Viele Kongress-Teilnehmer würden in Büdingen übernachten, vermutet Andreas Balser von der Wetterauer Antifa-BI. Man wisse nicht, was passiert, wenn die nach seiner Einschätzung extrem rechts eingestellten jungen Leute nachts betrunken durch die Stadt laufen. Unklar sei auch, ob die NPD-Szene in Büdingen akzeptiere, dass die AfD-Jugend in ihrem Revier wildere. Das Büdinger Bündnis für Demokratie und Vielfalt hat vorsorglich eine Mahnwache angemeldet. Sie findet am Samstag, 17. Februar, zwischen 14 und 16 Uhr an der Fahrbach in der Nähe der Zinnkann-Halle statt. Die Antifa-BI werde die Mahnwache unterstützen, so Andreas Balser. So dürfte wieder mal mit einem größeren Polizei-Aufgebot in Büdingen zu rechnen sein.

Warum zieht es den deutschen AfD-Nachwuchs nach Büdingen? Die Junge Alternative hat in der Wetterau keinen Kreisverband. Ihr Bundesvorsitzender Markus Frohnmaier kennt die Stadt aber aus einem Auftritt mit Frauke Petry und ihrem Lebensgefährten Markus Pretzell im Frühsommer 2016. Damals spuckte Frohnmaier im Haus Sonnenberg fremdenfeindliche Töne: „Wir könnten zu einem arabischen Land werden, wenn Deutschland den Schalter nicht umlegt.“ Millionen muslimischer Männer ohne Kapital und Bildung seien auf den Weg nach Deutschland, behauptete der damals 25-Jährige. Er bekam starken Beifall – und hat Büdingen seitdem offenbar in guter Erinnerung.  Auch David Bendels, Chefredakteur des rechtsextremen Deutschlandkurier-Blogs, hat einen Bezug zu Büdingen. 2017 hielt der damalige CSU-Nachwuchspolitiker aus Lichtenfels am Main bei einem Büdinger AfD-Treffen eine Gastrede. Die CSU warf ihn danach aus der Partei. Nun profiliert sich Bendels als rechter Parolengeber im Netz. In seinem AfD-nahen Blog schreiben Kolumnisten wie die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach und der schöne JA.-Landesvorsitzende Jan Nolte.

Über einen früheren AfD-Auftritt in Büdingen berichtete der Neue Landbote hier.

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